Aufruf zum Gebet - jeden Tag um 12 Uhr
Wort zur Maul- und Klauenseuche in Namibia
An die Gemeinden der ELKIN (DELK), an unsere Farmer und an alle Menschen in Namibia
„Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“ Psalm 46,2
Liebe Schwestern und Brüder in unseren Gemeinden, liebe Farmer, liebe Menschen in Namibia,
die Nachricht vom Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Namibia erfüllt uns mit großer Sorge. Was zunächst wie eine Nachricht aus der Landwirtschaft erscheinen mag, berührt in Wahrheit viele Bereiche unseres Landes und das Leben unzähliger Menschen. Besonders für unsere Farmer ist diese Nachricht eine echte Hiobsbotschaft. Sie trifft Menschen, die mit großer Hingabe für ihre Tiere sorgen, die ihre Farmen bewirtschaften, Verantwortung für Mitarbeitende tragen und deren Lebensgrundlage unmittelbar mit der Gesundheit ihrer Herden verbunden ist. Wo Tiere erkranken oder getötet werden müssen, geht es nicht einfach um wirtschaftliche Zahlen. Es geht um Lebewesen, um jahrelange Arbeit und um Lebenswerke. Es geht um Familien, um Arbeitsplätze, um Einkommen und um Zukunftsperspektiven. Und so verstehen wir die Sorgen, die viele Menschen jetzt bewegen: Was kommt auf uns zu? Wie groß werden die Verluste sein? Wie lange wird die Unsicherheit dauern? Und wie soll es weitergehen?
Als Kirche wollen wir diese Fragen nicht kleinreden. Wir wissen, dass fromme Worte allein keine wirtschaftlichen Verluste ausgleichen und keine Krankheit aufhalten können. Und doch glauben wir, dass gerade in solchen Zeiten ein Wort Gottes wichtig ist, dass uns einen anderen Horizont eröffnet. Der 46. Psalm sagt: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“ Beachtenswert ist: Der Psalm spricht nicht davon, dass es keine Not gibt. Im Gegenteil. Er spricht ausdrücklich von großen Nöten. Der Glaube verdrängt die Wirklichkeit nicht. Aber er sagt: Die Not ist nicht größer als Gott. Wenn Sicherheiten ins Wanken geraten, bleibt Gott unser Grund. Wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht, kennt Gott unseren Weg. Wenn wir selbst keine Antworten haben, dürfen wir unsere Fragen vor Gott bringen. Darum möchten wir als Kirche gerade jetzt besonders an der Seite unserer Farmer stehen. Wir denken an diejenigen, die um ihre Tiere bangen. Wir denken an Familien, deren wirtschaftliche Existenz bedroht ist. Wir denken an die Mitarbeitenden auf den Farmen, deren Einkommen von der Landwirtschaft abhängt. Wir denken an Tierärztinnen und Tierärzte und an alle, die mit der Bekämpfung der Seuche betraut sind. Wir denken an die Verantwortlichen in Politik, Landwirtschaft und Verwaltung, die schwierige Entscheidungen treffen müssen. Und wir bitten darum, dass in dieser schwierigen Situation Verantwortung und Solidarität wachsen. Denn gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass wir einander nicht allein lassen. Dass wir einander zuhören. Dass wir praktische Hilfe anbieten, wo sie möglich ist. Dass wir füreinander beten. Dass wir die Menschen sehen, die hinter den Zahlen und Statistiken stehen und das wir die Hoffnung nicht verlieren. Denn unsere Hoffnung gründet nicht darauf, dass wir wissen, wie diese Krise ausgehen wird. Unsere Hoffnung gründet auf dem, der uns auch durch unsichere Zeiten begleitet. Der Psalm sagt: „Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken.“ (Ps 46,3) Das ist kein billiger Optimismus. Es ist ein Bekenntnis des Glaubens: Auch wenn sich um uns herum vieles verändert – Gott bleibt. Darum wollen wir als Kirche nicht der Angst das letzte Wort überlassen. Die Maul- und Klauenseuche ist eine ernste Bedrohung. Sie ist eine Hiobsbotschaft für viele Menschen. Aber sie soll nicht das letzte Wort über unsere Zukunft haben. Unser letztes Wort ist die Hoffnung. Eine Hoffnung, die nicht verspricht, dass uns Leid erspart bleibt, sondern die uns zusagt, dass wir auch im Leid nicht verlassen sind. So wollen wir miteinander durch diese unsichere Zeit gehen: betend, füreinander einstehend und im Vertrauen auf Gott. Denn: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“
Aufruf zum Gebet:
In diesem Sinne lasst uns alle jeden Tag, egal wo, um 12h00 einen Moment innehalten und zu Gott beten:
- Möge Gott unser Land Namibia bewahren.
- Möge er unsere Farmer und ihre Familien stärken.
- Möge er diejenigen trösten, die Verluste erleiden.
- Möge er den Verantwortlichen Weisheit und Besonnenheit schenken.
- Möge er alle Menschen bewahren, die von den Folgen dieser Krise betroffen sind.
- Möge er uns als Gemeinden und als Gesellschaft zusammenhalten.
Euer in Christus verbundener
Frank Schütte
Bischof der ELKIN (DELK)
