Kündigung zu Weihnachten
„Ich kündige Euch!“, schrie unser Jüngster... Seit die Familie mit Beginn der Sommerferien vollzählig tagein tagaus unter einem Dach lebt, ist „der Pap regelmäßig dick“. Für mich ein unverkennbares Zeichen: Es weihnachtet sehr. Mitten in dieser Stimmungslage fiel es mir schwer, zum „Fest der Liebe“ zu schreiben. In mir loderte der Wunsch nach mehr Gelassenheit, denn nicht selten verhält sich das Fehlen von Gelassenheit im Alltag wie ein Funke im Pulverfass und an Fest- und Feiertagen erst recht. Für ein paar Stunden oder Tage rücken wir einander „auf die Pelle“, dringen in die Komfortzone des/der andern ein. Das kann beglücken, aber auch missglücken. Gelassenheit kann da vielleicht die ein oder andere in der Tasche geballte Faust öffnen und die Wut im Bauch lösen (so wäre auch mehr Platz für Plätzchen und Braai). Gelassenheit, einander lassen, das heißt natürlich nicht, dass man einander egal ist und nein, es heißt auch nicht, dass man nichts in Frage stellen darf. Es bedeutet, lasse deine Vorstellungen darüber los, wie du gern wärst und wie du die anderen gern hättest, stattdessen versuche Gottes Blickwinkel einzunehmen. Mache Dir die Mühe und lerne Deine Dir von ihm gegebenen Stärken und Schwächen kennen und mit ihnen umzugehen.
Wenn ich spüre, meine Gelassenheit reicht nicht aus oder neigt sich dem Ende zu, rufe ich mir diese Worte von Viktor Frankl ins Gedächtnis: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ Den Reiz können wir nicht beeinflussen (meckernde Familienmitglieder z.B.) Wir betreten den Raum innerlich verärgert oder sogar verletzt und angespannt. Wie wir ihn jedoch verlassen, wie also unsere Reaktion ausfällt, das liegt in unserer Hand. Ich stelle mir den Raum mit hohen Regalen vor, in denen verschiedenste Gefühle und Handlungen stehen, alte Verletzungen und harte Worte neben Vergebung und einem offenen Gespräch. Unverständnis neben Gnade, Wut neben Sanftmut, Stolz neben Demut. Was ich herausnehme, bestimme ich. So mach ich mich frei von äußeren Reizen und schaffe Entwicklungsmöglichkeit. Weg von „So bin ich halt (weil...)“ hin zu „Ich habe die Wahl“.
Wenn mir das immer gelänge, hätte ich wohl keine Kündigung auf dem Tisch und wäre eine stets gelassene Mutter, Ehefrau, Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Freundin... Sie und Ihr ahnt es, ich schaffe es nicht. Was mir dann bleibt, ist die frohe Hoffnung auf die Gelassenheit meiner Mitmenschen mit mir.
