Was ist fromm? Was ist christlich?
Da waren die, die von sich selbst überzeugt waren, besonders fromm zu sein. Nicht so wie die anderen.
Eine kurze Notiz ist es nur im Lukasevangelium Kapitel 18 Vers 9. Dann folgt ein Gleichnis Jesu. Diesmal kein Bild aus der Landwirtschaft über wachsende Saat, verlorene Schafe oder gute und schlechte Hirten. Diesmal eine Geschichte, wie sie sich im Glaubensleben der Menschen damals und bis heute sicher immer mal wieder abgespielt hat:
Es gehen zwei Menschen in den Tempel um zu beten. Ein Pharisäer und ein Zöllner. Und wer mit den Geschichten des Neuen Testaments vertraut ist, hört gleich mit: hier ist einer, der kennt die Gebote Gottes, weiß was ein Leben im Sinne Gottes ist und hält sich auch daran. Der Pharisäer = ein Gerechter. Und der andere? Sünder in Person. Unrein, durch sein Verhalten. Ein Gauner, der sich selbst bereichert. Einer, der mit den ungeliebten Römern unter einer Decke steckt. Pfui Teufel! Ein Gerechter und ein Sünder gehen also zum Tempel um dort zu beten.
Der Pharisäer steht erhobenen Hauptes weit vorn, möglichst nah am Allerheiligsten, an Gott. Und der Zöllner steht mit niedergeschlagenen Augen ganz hinten.
Und wo stehe ich?
Der Pharisäer betet: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher, oder wie dieser Zöllner dahinten.“ Und der Zöllner? Der schlägt sich an die Brust und spricht: „Gott, sei du mir Sünder gnädig!“
Und was bete ich?
Und Jesus schließt an seine Geschichte die Worte an (Lk 18,14): „Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Haus, nicht jener.“ Und mit „diesem“ ist der Zöllner gemeint, mit „jenem“ der Pharisäer.
Eine sicher bekannte Geschichte. Eine von vielen Geschichten, bei denen der Pharisäer nicht sonderlich gut wegkommt. Das sind ja auch die anderen. Die Pharisäer. Die Gegner Jesu. Die, die es nicht verstanden haben. Wie gut, dass wir nicht so sind wie sie!
Und – Ups! – plötzlich stehe ich doch in den Schuhen des Pharisäers. Mit eben diesem immer wieder ach so verlockenden Gedanken, besser als andere zu sein. Und sicher wird der Pharisäer nicht erst durch seine Überheblichkeit selbst zum Sünder.
Und ich bete: Gott, sei du mir Sünder gnädig!
