Hephata - Im unermüdlichen Einsatz für Behinderte

 „Ich kann nicht sehen, denn meine Augen tun mir von den Pillen weh“, jammert Sabina Meyer, „ich kann nicht lachen, denn mein Mund tut mir von den Pillen weh“. Das Gejammer der alten Frau steigert sich immer mehr zu einem Gezeter. Die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung nehmen dies mit stoischer Gelassenheit hin.

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Das Behindertenheim in Katutura steht unter der Obhut der Deutsch Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia (ELKIN/DELK). Zur Zeit leben zehn Frauen und Männer dort.

Nur eine ältere Frau reagiert darauf. Es ist Regina Kondombolo und sie kennt diese Ausbrüche von Sabina seit 23 Jahren zu Genüge, denn so lange arbeitet sie in dem Behindertenheim Hephata, im Windhoeker Stadtteil Katutura. Hephata ist eine Sozialeinrichtung der Deutsch-Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia (ELKIN/DELK), die die Hauptfinanzierung trägt. Darunter fällt neben den Fixkosten wie Lebensmittel, Strom, Wasser und Gehälter auch alles, was sonst für ein menschenwürdiges Dasein gebraucht wird.

Hephata wurde 1986 mit Hilfe der Kirche sowie den beiden deutschen Ärztinnen Dr. Aschenborn und Dr. Schwindack aufgebaut. Drei Jahre später kam die gelernte Krankenschwester Regina Kondombolo dazu. War Hephata anfangs eine Tagesstätte für Erwachsene mit mentalen Störungen, wurde es im Lauf der Jahre zu einer ganztätigen Einrichtung. Immer öfter wurden sie von ihren Familien am Abend einfach nicht mehr abgeholt. „Behinderte Menschen haben es hier im Land besonders schwer“, erklärt Regina. „Manchmal werden sie einfach ausgesetzt oder den ganzen Tag über in die Hütte eingesperrt. Sie vegetieren also mehr oder weniger vor sich hin, ein unwürdiges Dasein.“        

Aus allen Regionen

Die Menschen, die bei Hephata untergebracht sind und leben, stammen aus sämtlichen Regionen Namibias. Die meisten bleiben bis zu ihrem Tod dort. Zurzeit sind es zehn Bewohner im Alter zwischen 23 und 76 Jahren. 

In Hephata leben nicht nur Frauen, sondern auch ein paar Männer. Thomas ist der Jüngste von allen. Er wurde als Elfjähriger von seiner Familie mit einem Knochen zum Abnagen einfach an den Straßenrand gesetzt. Seit neun Jahren lebt er nun bei Hephata und hat sich von dem verängstigten Kind zu einem freundlichen jungen Mann entwickelt. Allerdings hat er seine Stärke nicht unter Kontrolle und man lässt sich von ihm besser nicht mit einer Umarmung begrüßen.

Fast von Anfang an lebt Regina im Haus. Morgens muss sie als erstes die Bewohner waschen, da viele keine Kontrolle über sich haben. Betten müssen frisch bezogen werden, es vergeht kein Tag, an dem nicht die Waschmaschine mehrmals läuft. „Es ist natürlich keine angenehme Arbeit“, erklärt Regina, „doch sie ist absolut notwendig.“ Manchmal erhält sie Hilfe von Freiwilligen. Doch für viele ist die Arbeit zu anstrengend oder zu eklig. Im Endeffekt sitzt Regina Kondombolo mit der Arbeit allein da. Nach einer Morgenandacht und dem Frühstück versucht sie die Bewohner Hephatas zu beschäftigen. „Ich habe bereits Verschiedenes ausprobiert“, erzählt sie. Einmal war es aus Stoffresten Patchwork herzustellen, ein anderes Mal Schuhe, deren Sohlen aus Reifenprofil bestehen. Diese ließen sich sogar recht gut verkaufen. Doch ihre Schützlinge sind schnell gelangweilt und brauchen immer neue Anregungen. Nun werden täglich im Wechsel Hausarbeiten verteilt. Sei es, dass sie abwaschen, putzen oder Brot streichen müssen – jeder nimmt seine Aufgabe ernst und würde nicht auf den Gedanken kommen, zu tauschen. 

Schwester Regina

Seit 23 Jahren ist die gelernte Krankenschwester Regina Kondombolo bei Hephata.

 Aus der Tagesroutine 

Während des gesamten Tages müssen sämtliche Kühl- und Vorratsschränke gut abgeschlossen sein. „Es ist unglaublich, was meine Schützlinge an Lebensmitteln vertilgen können“, erzählt sie schmunzelnd. 
Die medizinische Versorgung ist von Seiten des Gesundheitsministeriums gewährleistet. Einmal im Monat werden die Bewohner von einer amtierenden Schwester des Katholischen Krankhauses untersucht. Sie verschreibt auch gleich die richtige Medizin und bringt benötigte Medikamente mit.   

Zu Weihnachten werden ein paar von ihnen von ihren Familien abgeholt. Doch dies ist die Ausnahme. Die meisten kommen in der psychiatrischen Abteilung des Staatskrankenhauses unter. Das ist die Zeit, die Regina für sich und ihre Familie hat. Doch dieses Mal war es eine traurige Zeit. Ihre Tochter starb. Jetzt kümmert sie sich um ihre vierjährige Enkeltochter Nona. Erschwerend kommt hinzu, dass Regina zuckerkrank ist. Anfang des Jahres musste ihr aus diesem Grund eine Zehe abgenommen werden. „Ach“, winkt sie ab, „es hätte schlimmer kommen können, zuerst wurde mir gesagt, dass ich das Bein bis zum Knie verlieren werde“. 

„Regina Kondombolo ist eine sehr starke Persönlichkeit, vor der man den Hut ziehen muss“, meint Bischof Erich Hertel. „Im Laufe der Jahre hat sie Unglaubliches geleistet.

Doch im Laufe der Jahre wurde sie auch älter. In ihrem 60 Lebensjahr begann sie nach einem Nachfolger zu suchen. Heute, sechs Jahre später, ist außer ihr, noch immer niemand bereit, für die Menschen auf Hephata zu sorgen.                                               

Wer Hephata unterstützen möchte, kann eine finanzielle Zuwendung auf das Konto von der Bankleitzahl: 281972, Konto-Nr.: 55508435613 einzahlen.  

Hephata ist aramäisch und bedeutet soviel wie „Öffne dich“. Der Namen entstand aus der Anlehnung Markus 7, 32-37, in dem Jesus bei der Heilung eines Taubstummen das Wort „Hephata“ spricht.

Von This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. / Allgemeine Zeitung Windhoek, Namibia, vom 13.02.2012

 

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