Eine der kleinsten lutherischen Kirchen auf der Welt in einem wunderschönen Land

Deutschsprachige Lutheraner in Namibia gehen oft viele ungewöhnliche Wege

Viele Wege durch Namibia sind abenteuerlich, ungewöhnlich und fremd  für Europäer. Straßen durch einsame Wüsten, Schotterpisten durchs Gebirge, sandige Pads (afrikaanses, in Namibia eingedeutschtes Wort für Straße) zu Farmen, Zwangspausen auf der Fahrt durch fließende Reviere (Trockenflüsse, die in der Regenzeit zu reißenden Strömen werden), aber auch bequeme Teerstraßen auf der Nord-Süd- oder Ost-West- Achse des Landes. 

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN - DELK) mit ihren ungefähr 5200 Mitgliedern in 14 Gemeinden und ihren sieben Pfarrstellen, verteilt über eine Fläche von 823.000 qkm, gehört zu den ausgesprochen kleinen lutherischen Kirchen: Es sind wenig Mitglieder in einem riesigen Gebiet. Wege zueinander zu finden ist darum schon immer ein Thema im jungen Namibia. Der deutschsprachigen lutherischen Kirche werden viele, auch unbequeme Wege zugemutet. Die Aufarbeitung der Kolonialzeit und ihre Rolle in der Apartheitszeit ist eine immer wiederkehrende Zerreißprobe.

Manche trauen der ELKIN (DELK) aus einer vorurteilsbesetzenden Sicht manche Wege gar nicht zu: Die Beziehungen zu den lutherischen Schwesterkirchen sind vom Geist der Versöhnung geprägt. Die Probleme des Landes und die Probleme der Kirchen werden offen besprochen. Bischof Kameeta und Bischof Hertel verbindet eine tiefe Glaubensgemeinschaft auch angesichts strittiger Fragen.

Die Betreuung der Gemeindeglieder und die Begeisterung für das Evangelium wachzuhalten, ist und bleibt die stetige, dauernde und bedrängendste Herausforderung. Und sie wird mit viel Vertrauen und Herzblut für das Evangelium gemeistert:

Zwei Beispiele:

Laienpredigerwurden und werden ausgebildet. Nur so sind regelmäßig Gottesdienste zu halten. So wurden gerade diese Menschen zum Segen für die Kirche. Durch ihre theologische Ausbildung, die immense Lebenserfahrung und Kenntnis des Landes und ihrer Menschen sind sie auch in der Synode der ELKIN (DELK) und darüber hinaus den Pastorinnen und Pastoren, von denen mehr als die Hälfte von der EKD entsandte Kräfte sind, ein großartiger und wertvoller Gesprächspartner.

Allein durch weitere Spenden - die ELKIN (DELK) ist eine Freiwilligkeitskirche - werden seit über drei Jahren, zusätzlich zum normalen Haushalt, zwei Kinder- und Jugenddiakone finanziert. Die Betreuungsschwerpunkte liegen in den großen Gemeinden Windhoek und Swakopmund, auch deshalb, weil sich viele der deutschsprachigen Farmkinder hier in den Schülerheimen befinden. Das Projekt „Kinder- und Jugendnetzwerk“ ist eine Erfolgsgeschichte und macht den Gemeindegliedern Hoffnung, dass die Kirche eine Zukunft im Land hat. In Zeiten, in denen eigentlich über Abbau von Pfarrstellen diskutiert wurde, hat man den Glaubensmut gefunden zu investieren. Die Ausschreibung für die Wiederbesetzung einer dieser Stellen finden Sie in dieser Ausgabe der idea Spektrum.

Die evangelisch lutherische Kirche deutscher Sprache geht unterschiedliche und ungewöhnliche Wege, mal steinig, mal sandig, mal bequem, mal eine Zwangspause einlegend, aber Christus, der Herr auch dieser Kirche, führt sie abenteuerlich durch das wunderschöne, weite Land des Glaubens. Das eigene Land wird dafür zum Symbol.

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