Weihnachtsgruß & Bericht vom Bischof Empfehlung

 

 

Liebe Mitglieder der ELKIN(DELK) 

Viele Figuren tummeln sich auf diesem Holzdruck. Menschen in unmittelbarer Nähe. Andere in der Ferne. Sie schauen hin. Sie schauen weg. Sie halten die Hände vor die Augen, als seien sie geblendet. Ihre Körper eher Strichmännlein als ausgeformte Figuren. Das Bild - daran lässt der Künstler keinen Zweifel - ist auf die Mitte hin ausgerichtet. 

Dort ist es licht.
Dort gewinnen Gesichter Konturen.
Aber nur das Kind in der Mitte hat wirklich ein Angesicht.

Mose in der Wüste war ein angefochtener Mann. Er wollte Gott sehen, damit er dem Volk den Weg weisen könne. Nur in dieser direkten und intimen Begegnung konnte er sich für sich und seinen Dienst Klarheit und Wahrheit vorstellen.
Aber Gott spricht zu ihm: “Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des HERRN: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.” (Exodus 33,19-20). 
Wie auch später Elia wird Mose nur im Schutz des Berges Gott als den Vorüberziehenden erleben.

Auf diesem Bild ist das Angesicht Gottes zu sehen - ganz direkt, unerwartet und ganz anders, als man es sich wohl vorgestellt hat. 

Gott macht sich klein.
Gott “entäußert” sich seiner Gestalt.
Gott begibt sich in die Mitte der Menschen von nah und fern.
“Das habt zum Zeichen” - wird es den Hirten zugerufen, und dann kommt nicht etwa etwas Extravagantes, Spannendes, Aufregendes, sondern: “Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.” (Lukas 2,12).

Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh,
Maria und Joseph betrachten es froh.

So singen wir es gern in unseren Weihnachtsgottesdiensten. Ein Schlager der Weihnachtszeit - auch an die
Erwachsenen: “Ihr Kinderlein kommet.”  Der Künstler will jedoch, dass wir noch etwas ganz anderes betrachten. Wir sollen uns nicht nur - wie wahrscheinlich Maria und Josef - über dem Kind die Hände
reichen.

Heu und Stroh - es ist als ob Licht von ihnen ausgeht. Von dem Kind geht Licht aus. “Licht der Welt” nannte es sich selbst, ein Stern wies den Weg zur Krippe, Licht umleuchtete die Hirten auf dem Feld. Von diesem Kind geht die Klarheit Gottes aus. Was Mose nicht sehen durfte, hat Gott uns in die Wiege gelegt.

Heu und Stroh - sie sind in der Form des Kreuzes angeordnet und das Kind liegt darauf, als sei es an dieses Kreuz geschlagen worden.

Darum heißt es auch in “Ihr Kinderlein kommet”:
O betet: Du liebes, du göttliches Kind,
was leidest du alles für unsere Sünd!
Ach hier in der Krippe schon Armut und Not,
am Kreuze dort gar noch den bitteren Tod.

Kreuz und Krippe sind - die Kunst weist auf, was die Schrift uns lehrt - ständig in Beziehung zu setzen.
So ist Gottes Angesicht. Was Mose nicht sehen durfte, hat Gott uns in die Wiege gelegt.

Heu und Stroh - es ist, als ob das Kind die Menschheit umfasst; es ist, als ob Segen von diesem Kind ausgeht - hin zu allen.

... und seht, was in dieser hochheiligen Nacht
der Vater im Himmel für Freude uns macht.

Auch in diesem Angebot der Freude, auch in diesem Angebot des Segens ist das Angesicht Gottes für uns
und uns zugewandt zu erkennen.  Was Mose nicht sehen durfte, hat Gott uns die Wiege gelegt.

Das wollen wir in dieser Advents- und Weihnachtszeit auch wirklich feiern: Mit frohen Liedern, im Nachdenken, im Annehmen, in großer Dankbarkeit. In diesem Sinne wünsche ich euch und uns allen eine gesegnete Festzeit.

Bericht aus dem Leben der Kirche - und ihren vielen Beziehungen:

Als Kirche in Namibia sind wir eingebunden in das Leben vieler anderer Kirchen und Organisationen. Wir reden von “Partnerschaften” - d.h. wir lernen voneinander, hören aufeinander, hinterfragen einander, helfen einander. Als Kirche in Namibia dürfen wir dankbar sein, dass wir nicht nur für uns, sondern immer auch mit
anderen und für andere Kirche sind. Wie schon im letzten Brief an die Gemeinden angedeutet wurde: Dieses Mal sollen aus diesem bunten Strauß der Aktivitäten ein paar kleine Blüten vorgestellt werden:

United Curch Council -Namibian Evangelical Lutheran Churches:

Durch unsere gemeinsame Arbeit an der V orbereitung für die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes, werden wir oft herausgefordert, zu bestimmten Themen Stellung zu beziehen, weil diese bei der Vollversammlung auf den Tisch kommen könnten - etwa die Frage nach dem Tempo unserer Einheitsbestrebungen, oder die Frage nach dem Genozid und den Gesprächen zwischen Deutschland und Namibia, oder unsere Position zur Homosexualität, oder wie wir die Suspendierung der ELKIN(DELK) 1984 in Budapest heute einschätzen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir 3 lutherischen Kirche recht unterschiedliche T agesordnungen, auch unterschiedliche Meinungen zu diesen und anderen Themen haben, aber dass wir uns von diesen Differenzen nicht auseinanderdividieren lassen werden, dass wir unser eigenes Tempo und unsere eigenen Antworten finden wollen und werden. Wir haben nicht so sehr Positionen, als dass wir in Prozessen stecken.


Council of Churches in Namibia:

Durch Misswirtschaft steht diese Organisation, zu der wir gehören und die wir mitverantworten, seit dem vergangenen Jahr mehr oder weniger vor dem Konkurs. Eine kleine Gruppe engagierter MitarbeiterInnen aus verschiedenen Kirchen arbeitet konsequent an einem Sanierungsplan, der Ausgaben und Personal reduziert, Schulden langsam aber sicher bezahlt, Eigentum renoviert und gewinnbringend vermietet, Mieteinnahmen besser kontrolliert und diese Arbeit insgesamt sehr transparent durchführt. Gliedkirchen werden informiert und am Gespräch beteiligt. Es geht langsam wieder aufwärts, wobei die Betonung auf langsam liegt. Der Prozess, für diese Organisation einen neuen Weg und eine klare Definition zu finden, steht noch ganz im Anfang.

Vereinigte Evangelische Lutherische Kirche im Südlichen Afrika:

Abgesehen davon, dass sich die VELKSA ständig mit Fragen der theologischen Ausbildung befasst - und damit auch mit Studenten, Prüfungen, Besetzungen - hat sie ganz bewusst und k o n s e q u e n t d e n A b b r u c h d e r Ausbildungstätigkeiten in Pietermaritzburg betrieben. Zum einen ist die Universität Kwa Zulu
Natal nicht mehr gewillt, sich auf einen produktiven Vertrag zwischen den beiden Instanzen einzulassen, sondern will nur einseitig profitieren. Zum anderen war ELCSA, unser Partner im South African Lutheran Theological Training Trust, derart in finanzielle Schwierigkeiten geraten, dass eine Kooperation innerhalb von SALTTT nicht mehr möglich war. Die letzten Verhandlungen finden derzeit statt, um SALTTT entweder ganz zu schließen oder ganz der ELCSA zu überlassen. Gleichzeitig sind wir in Verhandlungen mit der Universität in Stellenbosch, die seit etlichen Jahren ihre Ausbildung geöffnet hat, sodass auch andere Kirchen dort ihren Nachwuchs ausbilden können. V E L K S A e m p f i e h l t d i e s e A u s b i l d u n g interessierten Studenten sehr und hat auch Möglichkeiten, Studenten unserer Kirchen, die sich dorthin melden, finanziell zu unterstützen. Die Kirchenleitung der ELKIN(DELK), die sich um die Besetzung von Pfarrstellen zu bemühen hat, bittet die Gemeinden sehr, junge Leute zum Pfarrberuf zu ermutigen. Im Oktober fand die Synode der VELKSA in Bonaero Park statt, die sich auch mit Fragen der theologischen Ausbildung und der Zukunft dieses kirchlichen Zusammenschlusses befasste.

Lutheran Communion in Southern Africa:

Dieser kirchliche Zusammenschluss, der lutherische Kirchen aus Angola, Malawi, Madagaskar u.a. einschließt, setzt sich sehr für die diakonische Arbeit ein - Bekämpfung der Malaria, HIV-Aids Programme, Aufklärung gegen die Gewalt besonders an Frauen und Kindern. In den meisten Mitgliedskirchen gibt es diakonische Programme, die - wo möglich - von der LUCSA unterstützt werden, sowohl finanziell, als auch durch Vernetzung und Ausbildung.


Vereinigte Evangelisch Lutherische Kirche in Deutschland:

Ich habe im November an der Synode als Gast teilnehmen können. Die VELKD befasste sich mit dem Thema Europa - Flüchtlingsfragen, Brexit und eine allgemeine Politikverdrossenheit. Einen breiten Raum nahm der Bericht des leitenden Bischofs ein; Liebe - Geduld - Freiheit: das seien Grundsätze Luthers, die heute von großer Brisanz sind und in die europäische Situation hineinsprechen. Er machte auch sehr deutlich, dass Europa sich nicht nur aus christlichen Wurzeln speist, sondern ganz speziell auch beeinflusst ist von den Römern, Griechen und Juden. Unter dem Thema “Fit für die Zukunft” arbeiten Einrichtungen der VELKD den Gemeinden und Gliedkirchen zu: Leipzig - Liturgie; Pullach - theologisches Studienseminar; Neudietendorf - Gemeindekolleg. Der Catholica Bericht der VELKD wird immer mit besonderem Interesse wahrgenommen, fasst er doch das Miteinander der Katholiken und Evangelischen in Deutschland und Europa zusammen. Unter dem Thema “Vom Konflikt zur Einheit” werden derzeit Gespräche geführt und Gottesdienste gefeiert. Früh im kommenden Jahr will Frau OKRin Keim, die im Amt der VELKD für das südliche Afrika zuständig ist, Namibia besuchen.


Evangelische Kirche in Deutschland:

In diesem Jahr fand im Zusammenhang mit den Synoden der VELKD und EKD eine Partnerschaftskonsultation in Berlin statt. Abgesehen von theologischen Diskussionen ging es um Absprachen z.B. bei der Entsendung von Pastoren. Es wurde sehr klar gemacht, dass das derzeitige Kontingent an Entsendungen nicht erhöht werden kann; es wird für die ELKIN(DELK) also schwierig bleiben, die zweite Küstenpfarrstelle zu besetzen. Die Synode der EKD befasste sich auch mit dem Thema Europa; es wurde in Gottesdiensten, Andachten, Podiumsgesprächen und Berichten aufgenommen. Zudem wurde gefragt, wie es denn nach dem Reformationsgedenkjahr weitergehen soll; derzeit ist die Kirche mit diesem Jubiläum sehr präsent in der Gesellschaft, aber wie kann dieser Impuls weitergeführt werden.  Umstritten war die Frage, ob es so etwas wie “Judenmission” geben dürfe, aber die Synode hat den Vorschlag der Kommission, diese abzulehnen, dann einstimmig angenommen.  Wichtig war auch eine kritische Reflexion der Aktion “Wachsen gegen den Trend”. Mit diesem Slogan wurde innerhalb der EKD viel getan, um die “Qualität” der Gottesdienste zu verbessern und diese besser zu reflektieren; um Gemeinden zum Wachstum zu ermutigen durch bessere Kooperation und Reflexion; um Führungsstrukturen in Kirche und Gemeinde besser aufzustellen und das Personal dafür gezielt zu schulen. Beeindruckend war für mich die Fülle an Informationen und guten Hilfsmitteln.  Für Interessierte lohnt es sich, vielleicht den einen oder anderen Bericht zu lesen. Diese sind auf den Internetseiten der VELKD und EKD zu finden.

Lutherischer Weltbund:

Die Vorbereitungen auf diese Großveranstaltung werden immer konkreter und immer mehr. Unsere Kirche hat denen zu danken, die sich in diese Aufgabe mit viel Zeit und Energie hineingeben. Inzwischen werden auch die Vorversammlungen der Jugend und der Frauen vorbereitet; beide finden in Namibia statt. Im Januar werde ich als Vertreter der gastgebenden Kirchen in Schweden an der europäischen Vorversammlung teilnehmen, kurz darauf findet die Vorversammlung der afrikanischen Kirchen in Johannesburg statt. Bei diesen Vorversammlungen bringen Regionen und Interessengruppen ihre
Tagesordnungspunkte mit ein, sie werden auf die Vollversammlung selbst vorbereitet, sie sprechen Dinge ab, die regional wichtig sind. 

Zum Schluss: Mit dem Logo unten wollen wir als ELKIN(DELK) uns auch an den Reformationsfeiern beteiligen. Nutzt dieses Logo für Veranstaltungen in euren Gemeinden, damit es in der ganzen Kirche wiedererkennbar ist.

 

 

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